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Waffen gibt es seit der
Menschwerdung. Der Mensch bedurfte ihrer, um sich im Kampf gegen die Natur durchzusetzen, und er gebrauchte sie
schließlich auch im Kampf gegen seinesgleichen. Es darf dabei nicht übersehen werden, dass - zumindest in der
frühmenschlichen Periode - die Waffe gleichzeitig Werkzeug war. Es ist heute schwer zu entscheiden, welchem Zweck
das Instrument primär diente, dass heisst, ob es als Werkzeug oder als Waffe geschaffen wurde.
Die Menschen
haben zu allen Waffen verschiedenartige Beziehungen, die von kritikloser Bewunderung bis zur Verdammung reichen
können. So lange die Waffen sich bloss auf die Gesetze der Mechanik gründeten, war ihre Struktur sowie ihre Wirkung
höchst einfach. Diese einfache Anwendung der Mechanik auf die Waffen wurde durch die Hilfe der Chemie verdrängt. Die
Erfindung des Schiesspulvers öffnete dem Erfindungsgeist ein grosses Feld. Es war der Beginn des Zeitalters der
Feuerwaffen. Es bleibt unbestrittene Tatsache, dass die Feuerwaffen wichtige materielle Belegstücke der menschlichen
Vergangenheit, deren beredte Zeugen vorstellen. Ihre Aussage ist deutlich, vielseitig und dokumentarisch.
Jede Waffe trägt das Zeichen ihrer Entstehungszeit an sich. Ihr Entwurf, ihre Funktion und Konstruktionsweise, das
Material, aus dem sie hergestellt ist, ihre Bearbeitung und äußere Form, Signatur und Verzierung, all dies ist ihrem
Entstehungsmilieu fest verhaftet und widerspiegelt eine ganze Reihe bedeutender Entwicklungsaspekte der menschlichen
Gesellschaft.
Wir
mögen eine Waffe aus jeder beliebigen Zeit von jedweder Art, für Militär-, Jagd- oder Sportzwecke zur Hand nehmen,
immer haben wir einen Zeugen vor uns, der uns viel zu sagen hat. Ihre Funktionsprinzipien, Konstruktionsarten und
technologischen Bearbeitungsweisen sind Belege für das in ihrer Entstehungszeit erreichte technische Entwicklungsstadium
und Produktionsniveau. Das verwendete Material und seine Eigenschaften weisen auf die im Herstellungsland gegebenen
Möglichkeiten sowie auf die Stufe ihrer Ausnutzung hin. Äußere Formen, Aufmachung und Verzierung sind ebenso Ausdruck
der zeitgenössischen Begriffe von Zweck und Gebrauch der Waffe wie von künstlerischem Stil, Formgefühl, Geschmack und
handwerklichem Können. Die Stofflichkeit der Waffe, ihre Dimensionen, das gegenseitige Verhältnis der einzelnen
Bestandteile mit ihrer Ausgewogenheit und harmonischen Gestaltung sowie die Gesamtausstattung sagen ebenso viel über
den Zweck aus, für den die Waffe bestimmt war, wie über die Art und Weise, wie sie ihm dient - so auch das SSG 82.
Man muss es allerdings verstehen, diesen Zeugen zum Reden zu bringen, muss seine Sprache kennen, seiner ganzen
Aussage folgen und sie begreifen können und auch die Möglichkeiten und Grenzen seiner Aussage kennen. Und das ist gar
nicht so leicht. Es genügt nicht, ein Bild der Waffe vor sich zu haben, und es genügt auch nicht, sie zu besitzen. Man
muss ihre innersten Geheimnisse zu erspähen wissen, muss sie anderen Waffen und anderen historischen Denkmälern
schriftlicher Natur gegenüberstellen und man muss das ganze weite Hinterland kennen, in dem die Waffe entstand, sich
fortentwickelte und gebraucht wurde.
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