Bemerkung des Namesgebers der Militärakademie der exDDR zur Waffenentwicklung:

"Die Entwicklung der Waffen ist jeweils vom Stand und von der Entwicklung der Produktivkräfte abhängig. Nichts ist abhängiger von ökonomischen Vorbedingungen als gerade Armee und Flotte. Bewaffnung, Zusammensetzung, Organisation, Taktik und Strategie hängen vor allem ab von der jedesmaligen Produktionsstufe und den Kommunikationen."


Waffen - Zeitzeugen der Geschichte

Waffen gibt es seit der Menschwerdung. Der Mensch bedurfte ihrer, um sich im Kampf gegen die Natur durchzusetzen, und er gebrauchte sie schließlich auch im Kampf gegen seinesgleichen. Es darf dabei nicht übersehen werden, dass - zumindest in der frühmenschlichen Periode - die Waffe gleichzeitig Werkzeug war. Es ist heute schwer zu entscheiden, welchem Zweck das Instrument primär diente, dass heisst, ob es als Werkzeug oder als Waffe geschaffen wurde.

Die Menschen haben zu allen Waffen verschiedenartige Beziehungen, die von kritikloser Bewunderung bis zur Verdammung reichen können. So lange die Waffen sich bloss auf die Gesetze der Mechanik gründeten, war ihre Struktur sowie ihre Wirkung höchst einfach. Diese einfache Anwendung der Mechanik auf die Waffen wurde durch die Hilfe der Chemie verdrängt. Die Erfindung des Schiesspulvers öffnete dem Erfindungsgeist ein grosses Feld. Es war der Beginn des Zeitalters der Feuerwaffen. Es bleibt unbestrittene Tatsache, dass die Feuerwaffen wichtige materielle Belegstücke der menschlichen Vergangenheit, deren beredte Zeugen vorstellen. Ihre Aussage ist deutlich, vielseitig und dokumentarisch.

Jede Waffe trägt das Zeichen ihrer Entstehungszeit an sich. Ihr Entwurf, ihre Funktion und Konstruktionsweise, das Material, aus dem sie hergestellt ist, ihre Bearbeitung und äußere Form, Signatur und Verzierung, all dies ist ihrem Entstehungsmilieu fest verhaftet und widerspiegelt eine ganze Reihe bedeutender Entwicklungsaspekte der menschlichen Gesellschaft.

Wir mögen eine Waffe aus jeder beliebigen Zeit von jedweder Art, für Militär-, Jagd- oder Sportzwecke zur Hand nehmen, immer haben wir einen Zeugen vor uns, der uns viel zu sagen hat. Ihre Funktionsprinzipien, Konstruktionsarten und technologischen Bearbeitungsweisen sind Belege für das in ihrer Entstehungszeit erreichte technische Entwicklungsstadium und Produktionsniveau. Das verwendete Material und seine Eigenschaften weisen auf die im Herstellungsland gegebenen Möglichkeiten sowie auf die Stufe ihrer Ausnutzung hin. Äußere Formen, Aufmachung und Verzierung sind ebenso Ausdruck der zeitgenössischen Begriffe von Zweck und Gebrauch der Waffe wie von künstlerischem Stil, Formgefühl, Geschmack und handwerklichem Können. Die Stofflichkeit der Waffe, ihre Dimensionen, das gegenseitige Verhältnis der einzelnen Bestandteile mit ihrer Ausgewogenheit und harmonischen Gestaltung sowie die Gesamtausstattung sagen ebenso viel über den Zweck aus, für den die Waffe bestimmt war, wie über die Art und Weise, wie sie ihm dient - so auch das SSG 82.

Man muss es allerdings verstehen, diesen Zeugen zum Reden zu bringen, muss seine Sprache kennen, seiner ganzen Aussage folgen und sie begreifen können und auch die Möglichkeiten und Grenzen seiner Aussage kennen. Und das ist gar nicht so leicht. Es genügt nicht, ein Bild der Waffe vor sich zu haben, und es genügt auch nicht, sie zu besitzen. Man muss ihre innersten Geheimnisse zu erspähen wissen, muss sie anderen Waffen und anderen historischen Denkmälern schriftlicher Natur gegenüberstellen und man muss das ganze weite Hinterland kennen, in dem die Waffe entstand, sich fortentwickelte und gebraucht wurde.